Wir pendeln ein Erfolgsmodell!

Auf den Kongressen und Foren zur digitalen Gesellschaft, Musik- und Kreativwirtschaft tummeln sich mehr und mehr Langweiler, um ihre immer neuen Vermarktungs- und Verwertungsstrategien zu präsentieren. Audiolith schlägt genau an der Schnittstelle zu, denn wir können es nicht mehr hören.

Audiolith versteht sich als Netzwerk von Freunden und Bekannten, das auf unkonventionellem Wege Ideen (die oft mit Musik zu tun haben) umsetzt. Dieses Netzwerk manifestiert sich online, besteht aber aus echten Menschen, die nie nur Opinion-Leader, Multiplikatoren oder Business Partner – und schon gar nicht „nur“ Konsumenten sind, die es gilt mit Informationen zu betanken, um ihnen etwas zu verkaufen.

Das Netz ist für uns keine Verkaufsplattform, keine Ansammlung von Sinus-Milieus und Zielgruppen, die mittels Marketing- und Analysetools auf jeden Cent abgeklopft werden muss, den man herauspressen kann. Das Netz ist ein Haufen von Freaks und Idealisten – eine chaotische Quelle von Ideen, Meinungen und Impulsen, der wir auch täglich auf den Konzerten unserer Künstler begegnen. In diesen spannenden Kosmos begeben wir uns, um zu interagieren, kritischen Input zu bekommen und Impulse zu geben.

Blogs, Social-Networks und Instant-Messenger sind dabei nur Tools, die die Kommunikation vereinfachen und beschleunigen. Die Ideen sprudeln nicht aus der Software und auch nicht aus den Analytikern und Marketingfüchsen, die das Netz und dessen Zusammenhänge verstehen und kartografieren wollen, sondern aus dem Chaos von Ansichten und Hintergründen der Menschen, die das Netz bilden.

Dieses Unkontrollierbare ist es, was wir schätzen und suchen. Wir wollen es nicht kontrollieren, sondern sind selbst unkontrollierbar und Teil des Kontext. Wir wollen nicht marktorientiert denken oder Feedback erzwingen, weil auch wir nicht gezwungen oder genötigt werden wollen. Wir wollen Fehler machen, aus denen sich neue Perspektiven ergeben. Wir wollen blind in die Luft schießen und schauen, was runterkommt. Wir wollen nach Gefühl handeln und aus einer Schnapslaune heraus. Wir wollen es nicht alleine tun – wir wollen all die mitnehmen, die stabil sind – sie ansprechen und ermuntern selbst etwas zu starten.

Um uns diese Möglichkeiten zu bewahren, müssen wir versuchen, nicht vollständig zur Marke zu werden. Denn eine solche Definition bringt immer auch die Abgrenzung von Zielgruppen und eine Einengung des eigenen Kosmos mit sich. Um unsere Offenheit und Flexibilität zu bewahren müssen wir unstrategisch denken und spontan handeln. Wir müssen uns Freiräume von der Marktlogik erkaufen und erstehlen.

Die Künstler bei Audiolith bewegen sich in relativ kleinen und wahrscheinlich kurzlebigen Nischen. Diese losen Strukturen, die von jetzt auf gleich entstehen, aber auch wieder verschwinden können sind attraktiv und interessant durch ihre Unvorhersehbarkeit. Mit Hypes kann man nicht rechnen – Marketing ist hier reines Glücksspiel – BWL Logik zieht hier nicht. Für jedes Erfolgsbeispiel gibt es zehn Beispiele, die abgeloost haben. Das letzte Jahr lief ganz gut für unsere kleine Firma. Wir werden zeitweilig als Erfolgsmodell bezeichnet obwohl eben der wirtschaftliche Erfolg nie im Vordergrund stand. Die Motivation war eher, sich vor der Zumutung der Lohnarbeit zu drücken. Auch die krassen Skills, die man haben muss, um auf dem Arbeitsmarkt als Freelancer zu bestehen, fehlen den meisten von uns. Wir waren schlichtweg zu undiszipliniert um uns ordentlich für diese Welt zu qualifizieren. Wenn man also schon eine Strategie erkennen will dann ist es die Strategie der gemeinschaftlichen Notwehr gegen die Anforderungen Leistungsgesellschaft.

Wir haben sicher nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen sondern ganz im Gegenteil nicht so viel Ahnung von dem, was wir tun (außer Maurer-Sven, der für die Buchhaltung zuständig ist). Deshalb wollen wir auch nicht von der Kanzel predigen, sondern uns einer Diskussion stellen. Wir wollen checken wo wir stehen und wie andere Leute wahrnehmen, was wir tun. Wir haben Bock auf kritischen Input zu dem, was wir manchmal Arbeit nennen. Mit Hilfe von Alkohol werden wir die dafür nötige offene und konstruktive Gesprächsatmosphäre schaffen.

Beteiligte Sprecher

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