Herrschaft der Informatik

(cyber)feministische Perspektiven auf politisches Handeln

1985: Die US-amerikanische Gesellschaftstheoretikerin und Feministin Donna Haraway schreibt das „Cyborg Manifesto“. Sie entwirft darin eine neue Weltordnung, die frei ist von hierarchisch gegliederten Strukturen westlicher Dominanz. Die einzige Form von Herrschaft ist die der Informatik. Neue Kommunikationstechniken ermöglichen allen den Zugang zur Macht des Bezeichnens. Ehemals Marginalisierte kommen in den Besitz „jener Werkzeuge, die die Welt markieren, die sie als Andere markiert [haben]“.

2011: Technik, Medien und Kommunikation bestimmen unseren Alltag. Wir entwickeln neue Formen politischen Protestes und politischen Handelns. Kontrollverlust, Post Privacy, Netzneutralität sind die Schlagwörter, die die theoretischen Diskurse um neue digitale Identitäten und die Suche nach einer liberaleren, radikaleren Demokratie begleiten.

Ist Haraways Utopie nach mehr als 25 Jahren Wirklichkeit geworden? Oder spiegeln sich alte Machtverhältnisse lediglich in einer digitalisierten Welt, die längst nicht mehr nur ein Zweitaccount der sozialen Wirklichkeit ist?

Gemeinsam wollen wir mit dem Publikum erörtern, wer die Technologien, also die neuen Quellen der Macht, produziert und wer sie nutzen kann. Wer kann also letztlich an der Entwicklung neuer Politiken und an politischen Prozessen partizipieren, welchen bleibt im Informationszeitalter der Zugang zu Wissen und Macht weiterhin verwehrt?

Beteiligte Sprecher

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